Generation Kill – die Bühne wird zur multiperspektivischen Welt

Stefan Prins Generation Kill – offspring (2012) Foto von Andreas Caspari

Das Finale I des realtime–festivals am 21. Mai im Schlachthof Bremen, Generation Kill des Komponisten Stefan Prins, regte zum Nachdenken an und fragte: Beeinflussen Videospiele die Kriege, die dann wie Videospiele geführt werden?
Die Musiker:innen des Nadar-Ensembles bedienten neben den Instrumenten auch Spielekonsolen und ließen Audio- und Videosamples mit akustischem Instrumentalspiel untereinander agieren und sich gegenseitig kontrollieren.

Fotos: Andreas Caspari

Stefan Prins (*1979):
Generation Kill – offspring #1 (2012)

Künstler:innen:

Pieter Matthynssens – Violoncello
Yves Goemaere – Schlagzeug
Thomas Moore – Gamecontroller
Dries Tack – Gamecontroller

Weitere Informationen zum Werk und den Künstlern gibt’s hier: Finale I und II.

Das Kammerwerk Alan T. ein Highlight des realtime–festivals 2023

Alan T am 19. Mai 2023 in der Shakespeare Company Foto von Andreas Caspari

Alan T. (2021) ein genreübergreifendes Kammermusikwerk für eine Sängerin, einen Schauspieler (männlich), fünf Musiker:innen und audiovisuelle Apparate.
Konzeption, Komposition, Inszenierung & Lichtinstallation: Pierre Jodlowski. In Zusammenarbeit mit der Compagnie éOle und dem Nadar Ensemble. Aufgeführt und gefeiert am 19. Mai 2023 in der Bremer Shakespeare Company.

Fotos: Andreas Caspari

Compagnie éOle:

Pierre Jodlowski – Konzeption, Komposition, Inszenierung & Lichtinstallation
Martina Stütz – Dramaturgin
Joanna Freszel – Sopran
Thomas Hauser –Schauspiel
Manuel Poletti – Computer music production
Yann Philippe –Video
Matthieu Guillin – Video
Kamil Keska – Soundingenieur

Nadar Ensemble:

Winnie Huang – Violine
Katrien Galens – Flöt
Dries Tack – Klarinette
Thomas Moore – Posaune
Kobe van Cauwenberghe – E-Gitarre

Weitere Informationen zum Werk und den Künstlern gibt’s hier: Alan T.

Die deutsche Uraufführung von Whistle Town

Ensemble Soundinitiative in Aktion Foto von Andreas Caspari

Whistle Town ist eine interaktive audiovisuelle Performance von Sivan Cohen Elias, die Wahrnehmung und Wahlmöglichkeiten durch den Einsatz von Illusionen und Apparaten hinterfragt, konzipiert und komponiert. Regie und Visuals wurden in Zusammenarbeit mit dem Komponisten, Regisseur und Videodesigner Vincent Stefan erstellt.

Die Arbeit hinterfragt Wahrnehmung, Illusion und Wahlmöglichkeiten und reflektiert aktuelle soziale Spaltungen, die dem Konsum neuer Medien, dem Datenfluss und der Verbreitung von Viren verschiedenster Art entsprechen.

Whistle Town lässt zunächst eine Stadt entstehen, die aus einer hybriden Welt besteht, die Live-, voraufgezeichnete und Echtzeit-Verarbeitung von Ton und Bild zusammenführt. Beim Spaziergang durch diese „Stadt“ erleben die Zuschauer:innen verschiedene Grade optischer und auditiver Täuschung, die als Kommentar und Reflexion der Komplexität fungieren, die unser Gehirn durch neue Medien, Technologie und Datenfluss wahrnimmt. Die Arbeit konzentriert sich besonders auf die Verbreitung von Informationen, die von einem Whistleblower stammen, dann in verschiedene Richtungen manipuliert und schließlich mit mehreren Interpretationen wahrgenommen werden.

Das Ensemble und die Komponistin teilen die Leidenschaft, Projekte mit neuen Erfahrungen zu schaffen, die verschiedene Kunstformen von Klang, Choreografie, Theater, Installation und Technologien zu einem einheitlichen Medium verschmelzen.

Compagnie Soundinitiative

Shao-Wei Chou – Flöte & Performance
Winnie Huang – Violine & Performance
Joshua Hyde – Saxofon & Performance
Szymon Kaça – Klarinette & Performance
Louise Leverd – Violoncello & Performance
Gwen Rouger – Keyboard & Performance
Franco Venturini – Keyboard & Performance
Benjamin Soistier – Perkussion & Performance
Etienne Graindorge – Sounddesign
Yukao Nagemi – Video & Licht
Vincent Stefan – Videodesign
Sivan Cohen Elias – Komponistin

https://soundinitiative.fr/

Imposante Eindrücke von Je danse – Exartikulations

Je danse - Exartikulations realtime–festival 2023 Foto von Andreas Caspari

Herve Birolinis Werk für Instrumente und Lautsprecherleinwand faszinierte am 18. Mai im Tor 40 das Publikum. Über eine mehrere Meter hohe Lautsprecherwand verwandelte die Compagnie DISTORSIONS ihre Tänzerin Aurore Gruel in ein kinetisches Instrument – sie tanzte nicht zur Musik sondern ertanzte die Musik.
In beeindruckenden Bildern hat unser Fotograf Andreas Caspari „Je danse“ festgehalten.

Fotos: Andreas Caspari

Weitere Informationen zum Werk und den Künstlern gibt’s hier: Je danse – Exartikulations

Fotos von der Kösterpreis-Aufführung SWANGATE

Ensembles COCAINE HIPPOS Foto von Andreas Caspari

SWANGATE – A GATHERING ABOUT BIRD SONGS AND ANIMATRONICS

Das Siegerprojekt SWANGATE des Ensembles COCAINE HIPPOS (Köster-Preis 2023) ist Musik, Video-Kunst, Robotik, Künstliche Intelligenz und Performance – ein fantasievolles, hochsinnliches und zeitgenössisches Musiktheater. Unser Fotograf, Andreas Caspari, fing am 20. Mai die einmalige Atmosphäre in der Schaulust Bremen ein.

Fotos: Andreas Caspari

Weitere Informationen zu den Künstlern gibt’s hier: SWANGATE (UA) – Siegerprojekt des Köster-Preises 2023

Impressionen der Eröffnungskonzerte

Opening I: Pas de Deux und Opening II: Ode Mystique

Am 17. Mai 2023 startete das realtime-festival furios mit gleich zwei Konzerten im Sendesaal Bremen. Andreas Caspari hielt diesen beeindruckenden Abend in Bildern fest.

Opening I: Pas de Deux

Claudia Janet Birkholz und Laurenz Theinert mit Klavier und visual piano erzeugten einen Klang-Farb-Rausch und spielten Werke von Hans Otte, György Ligeti und Luici Dallapiccola.

Opening II: Ode Mystique

Christine Ott, der Stargast aus Frankreich, spielte auf ihrer Ondes Martenot Werke von Edouard Michael, Vincent Hänni, Karen Tanaka, Christine Ott und Bernard Parmegiani – Musik wie aus anderen Welten und Zeiten. Nach dem Konzert erläuterte die Künstlerin dem interessierten Publikum ihr Instrument.

Fotos: Andreas Caspari

Weitere Informationen zum Opening und den Künstlern gibt’s hier: Zwei Konzerte eröffnen das realtime-festival 2023

Mehr als 1600 Besucher beim Realtime-Festival 2023 

Preisverleihung Köster-Preis 2023 | realtime–festival

Internationales Festival für Neue Musik hat Besucherzahl verdoppelt 

Unter dem Titel „Mensch – Musik – Maschine“ fand von Mittwoch, 17. bis Sonntag, 21. Mai, zum zweiten Mal das „realtime – internationales festival für neue musik bremen“ an verschiedenen Veranstaltungsorten in Bremen statt. Veranstaltet wurde das Festival von „realtime – forum neue musik e. V.“. 

realtime-festival Preisverleihung Köster-Preis 2023
(Foto: Andreas Caspari) Preisstifter Dr. Gerhard Köster (2.v.l.) und Claudia Janet Birkholz (3.v.r.) überreichten den Köster-Preis 2023 gemeinsam mit den Jury-Mitgliedern Sylvia Armbruster (2.v.r.) und Jochen Biganzoli (4.v.r.) an die Mitglieder des Ensemble „Cocaine Hippos“ für ihr Projekt „Swangate“. Der Köster-Preis ist mit 30.000 Euro der höchstdotierte Preis für Neue Musik in Deutschland.

Mehr als 1600 Menschen besuchten in diesem Jahr die verschiedenen Konzerte, Workshops und Lectures. „Ganz besonders glücklich sind wir darüber, dass wir auch ein sehr junges Publikum erreichen konnten. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“ freut sich Claudia Janet Birkholz, die künstlerische Leiterin des Festivals. Ihr Konzept, die Vielfalt der zeitgenössischen klassischen Musik auf der Bühne zu präsentieren, brachte Menschen jeden Alters zusammen. 

Höhepunkt des Festivals war die Verleihung des Köster-Preises an das Ensemble „Cocaine Hippos“ für ihr Projekt „Swangate“. Der Preis, für den sich Kulturschaffende aus vielen Ländern beworben hatten, ist mit 30.000 Euro der höchstdotierte Preis im Bereich der Neuen Musik in Deutschland. Das Werk wurde am vergangenen Sonnabend in der Schaulust am Güterbahnhof uraufgeführt und anschließend prämiert. 

Das nächste Realtime-Festival wird 2025 stattfinden, wieder im Mai und dann unter dem Motto „Illusion und Wirklichkeit“. 

FUTURE SOUNDSCAPES (UA)

Pulse mit Endrick Foto Wustmann

Mit dem Ensemble PULSE aus Bremen + Endrick

PULSE ist ein progressives Streichquartett, das neue musikalische Ideen frei über alle Genres und Grenzen hinweg fließen lässt. Mit der Verwendung von Elektronik erschließen sie Klangwelten, die für ein Streichquartett sonst unzugänglich wären.
In FUTURE SOUNDSCAPES kollaboriert PULSE für das Realtime-Festival mit dem Schlagzeuger und Techno- Produzenten Endrick, der mit Hardware, MPC und FM-Synths spielen wird. Zusammen erbauen und forschen PULSE und Endrick futuristische Klanggebilde, dreidimensionale Rhythmusstrukturen und sphärische Flächen. Das komplett verstärkte Streichquartett vermischt sich mit elektronisch erzeugten Klängen aus dem Drum-Computer und Synthesizer, zusammen betreiben sie hier Klangsynthese. Einerseits verschmelzen die Klänge, andererseits findet auch ein Rollentausch statt: Das Streichquartett wird mit sequenzartigen Rhythmusfiguren zum Drum-Computer, Endrick mittels Sampling zum Streichquartett, da vorab aufgenommenes Material von PULSE gesampelt wird. Heraus kommen neue futuristische Klangräume abseits aller gängigen Pfade.

SA| 20. Mai 2023
18.00 Uhr Future Soundscapes (Uraufführung)
Tor 40 / Beim Handelsmuseum 9, Bremen

Künstler:innen:
Ensemble PULSE mit Johannes Haase (Violine, Elektronik)
Joosten Ellée (Violine, Elektronik)
Yuko Hara (Viola, Elektronik)
Jakob Nierenz (Violoncello, Elektronik)
Gast: Endrick (Synth, MPC, Drums)

Viten:

Ensemble PULSE plus Endrick

Am Puls der Zeit: Das Streichquartett PULSE hat sich 2019 neu gegründet und sich sowohl der Aufführung von zeitgenössischen Werken in einem kulturübergreifenden Kontext verschrieben als auch der Realisierung von neuartigen kreativen Projekten, in denen die konventionellen Grenzen seines Genres bewusst übergangen werden und mit Innovation, Eigenständigkeit, Ideen und neuen Konzepten experimentiert, improvisiert und schließlich komponiert wird. Zusammenarbeit mit Komponist*innen und Kollaborationen mit genrefernen Akteur*innen stehen dabei im Mittelpunkt. Bei PULSE sollen Inspirationsquellen und Verbindungen über die Jahrhunderte aufgezeigt werden, kulturelle Gemeinsamkeiten, Unterschiede und der Umgang mit ihnen. PULSE steht auch für den Rhythmus der Zeit, so werden aktuelle elektronische Möglichkeiten der Klangerzeugung und -verarbeitung und ihre Verbindung mit den Streichinstrumenten gesucht: ein klangliches Abbild und eine Reflexion der Zeit in der wir leben.
https://pulsepulse.de/

Pulse Foto von Lukas Klose

Johannes Haase

Johannes Haase hat Violine und freie Improvisation in Bremen und Basel bei Fred Frith, Thomas Klug und Alfred Zimmerlin studiert, weiteren Unterricht hatte er bei Irvine Arditti, Igor Ozim, Mitgliedern des Ensemble Modern, sowie bei Kala Ramnath in Mumbai und bei Ellery Eskelin und Zach Brock in New York. Seitdem bewegt er sich auf elektrischem und modernem Instrumentarium im Grenzgebiet von zeitgenössischer Musik, Jazz und improvisierter Musik. Er kollaboriert mit Künstlern wie dem Rapper Flowin Immo, Sitarmeister Imran Khan und der Pianistin Johanna Borchert, spielte Tangos in Milongas in Buenos Aires, Konzerte auf dem Fusion Festival sowie in großen Konzerthäusern wie mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Kammerorchester Basel, collectivo eunk, oh-ton Ensemble, im Duo mit Johanna Borchert, den Geige-Drum-Duos ohneland und Scylla, und den Improvisationsgruppen Myotis Kollektiv und The First Church of Free Music.
Haase gab Masterclasses und Workshops an verschiedenen Universitäten Südamerikas Europas und Asiens und war 2018 Dozent bei der Jungen Deutschen Philharmonie, seit 2019 unterrichtet er Improvisation an der Akademie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Joosten Ellée

Joosten Ellée studierte bei Prof. Thomas Klug (HfK Bremen) und Prof. Petra Müllejans (HfMDK Frankfurt). Er ist Konzertmeister, künstlerischer Leiter und Mitgründer von ensemble reflektor. Neben reger Mitwirkung bei Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Ensemble Continuum, setzt Joosten seine eigenen musikalischen Konzepte mit oder ohne Geige vor oder hinter dem Orchester, in der Kammermusikgruppe oder am Computer um.

Yuko Hara

Yuko Hara studierte an der Tokyo University of the Arts sowie am Konservatorium in Genf und der Musik-Akademie Basel. Sie ist Preisträgerin des Lionel Tertis International Viola Competition und des Tokyo Musikwettbewerbs. Als Solistin trat sie mit dem Japan Philharmonic Orchestra auf und spielt u.a. beim Orchester des Opernhauses Zürich und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Mit der Barockbratsche ist sie Mitglied des Ensembles Volcania in Bremen und spielt beim Orchestra La Scintilla in Zürich und dem Freiburger Barockorchester. Sie ist eine begeisterte Kammermusikerin, studierte Streichquartett bei Rainer Schmidt (Hagen Quartett) und gewann den 3. Preis beim Internationalen Osaka Kammermusikwettbewerb. Sie ist Bratschistin des Quatuor Ardeo in Paris und des franz ensemble in Bremen, und seit 2018 die künstlerische Leiterin des französischen Festivals Hirondelle.

Jakob Nierenz

Jakob Nierenz studierte Violoncello an der HfK Bremen und an der Rice University in Houston/USA. Bis Ende der Saison war 2019/20 war er stellvertretender Solocellist des Philharmonischen Orchesters Lübeck. Er ist Solocellist des »ensemble reflektor«, das in der Saison 2020/21 bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und beim Schleswig-Holstein Musik Festival debütieren wird.
Jakob Nierenz war Mitglied des in Houston ansässigen Ensembles für neue Musik Loop38 und fungierte während der Gründungssaison 2016/2017 als Solocellist. Ein besonderer Moment in seiner Karriere war ein Auftritt mit Nicole Mitchells Black Earth Ensemble 2018 in Mannheim. Mit engen Freunden spielt er im Rothko String Quartet (Konzerte u.a. beim PODIUM Festival Esslingen und beim Taktraum Festival Ingolstadt) und dem OvAnima Klaviertrio (Konzerte in den USA, Spanien und Deutschland). Ab dem Sommersemester 2021 ist er Artist in Residence an der Leuphana Universität Lüneburg und lehrt dort Kammermusik.

Endrick

Endrick

Endrick spielt live improvisierten freie Form Techno. Endrick ist das Soloprojekt von Christian Hohenbild, der aufgewachsen in Berlin, in Bremen Jazz-Schlagzeug studierte und 2014 nach Berlin zurückkehrte. Er spielt bei Das Lange Elend und ArroganzAllianz sowie personen(4), und fügte elektronische Elemente hinzu. Ab 2018 integrierte er das akustische Schlagzeug, Synthesizer und Samples in die Musik und Livekonzerte von Soft Grid (Jana Sotzko (PointNoPoint), Theresa Stroetges (Golden Diskoship)). Seit 2020 setzt sich die Zusammenarbeit mit Theresa Stroetges als Painting fort. Ende 2021 wird das erste Album unter diesem Namen erscheinen.
Neben der Kombination von elektronischer Musik mit akustischen Instrumenten und der Improvisation mit diesen Bestandteilen, vor allem live, interessiert sich Endrick für die Solo Performance und Live Improvisation ausschließlich mit elektronischen Instrumenten und das Sounddesign von Klängen und Texturen, wobei er synthetisch modelliert und auf Samples oder konventionelle Instrumente verzichtet. Der hyperreale Sound, der organische Klänge karikiert und übertreibt und so undenkbare Instrumente verwirklicht, findet sich auch in den von ihm gestalteten Videos wieder, in denen prozedural designte computeranimierte Texturen mit echten Aufnahmen kombiniert werden, um eine erweiterte Realität zu erzeugen.
https://endrick.de/

SWANGATE (UA) – Siegerprojekt des Köster-Preises 2023

Cocaine Hippos2 Foto von Arda Yurdusev

A GATHERING ABOUT BIRD SONGS AND ANIMATRONICS

SA | 20. Mai 2023
20:00 Uhr Uraufführung: SWANGATE
21:00 Uhr Preisverleihung des Köster-Preises 2023
Schaulust Bremen

Das Gewinner-Team des Köster-Preises steht fest!
Seit Beginn des Jahres 2022 konnten sich internationale Teams mit einem neuartigen Aufführungskonzept für Neue Musik bewerben, um den diesjährigen Köster-Preis zu gewinnen. Ausgestattet mit 30.000 Euro ist dieser Preis einer der höchstdotierten Auszeichnungen im Bereich der Neuen Musik. Eine international besetzte Experten-Jury ermittelte das Siegerprojekt, das am Samstag, 20. Mai, um 20 Uhr in der Schaulust in Bremen während des „realtime-festivals“ uraufgeführt wird.

Was ist SWANGATE?

Eine künstliche Intelligenz hat die Welt in Form von Robotervögeln erobert, mit denen nur über Ton kommuniziert werden kann.
Die klassische Theaterbühne verwandelt sich in eine rituelle, ornithologische Versammlung und einen Ort des Miteinanders, des Austauschs von Wissen, wobei allerdings die Grenzen zwischen Gut-Falsch oder Wahrheit-Lüge verschwimmen. Denn hier zeigt sich einerseits ein Zufluchtsort, der vor der Außenwelt, vor Regierungsdrohnen und künstlicher Überwachung sicher scheint. Auf der anderen Seite entsteht ein klaustrophobisches Panoptikum, in dem Abwehr- und Sicherheitsmaßnahmen gegen die Gefahren der heutigen Gesellschaft dominieren.
Künstliche Vögel kommentieren Deep-State-Szenarien (eine Art Schattenregierung verfolgt ihre eigene Agenda und entzieht sich der Kontrolle durch das Parlament), die in der aktuellen Gesellschaftsdebatte eine bedrohliche Rolle spielen. Eine Form der staatlichen Überwachung wurde bereits von George Orwell in seinem Roman 1984 dargestellt und später von Philosophen wie Michel Foucault skizziert.
Das Stück spielt mit der Grenze zwischen Realitäten, zwischen surrealen Szenarien zur antifaktischen Erklärung der Welt und der sehr realen, existentiellen und überwältigenden Erfahrung unseres digitalen Informationszeitalters.

Zentrales Motiv – Der Schwarze Schwan

Die Ikonographie des schwarzen Schwans nimmt hier eine zentrale Rolle ein. Es taucht während des gesamten Stücks in Form von diversen musikalischen Zitaten auf, die live gespielt werden: Olivier Messiaens „Catalogue d’oiseaux“, Pjotr Tschaikowskys „Schwanensee“, ebenso Zitate von M.I.A. und der K-Pop-Gruppe BTS. Auch lehnt sich die Produktion an die filmischen Hommagen von Alfred Hitchcocks „The Birds“ und Darren Aronofskys „Black Swan“ an.
Im dramatischen Höhepunkt manifestiert sich die Metapher in Form einer sich bewegenden und singenden animatronischen Figur und wird zum Hauptgegner der Künstler:innen.

Das Bild des Schwarzen Schwans bezieht sich dabei auf eine Theorie Nassim Nicholas Talebs aus dem Jahr 2001. Er beschreibt die Metapher des Schwarzen Schwans als ein Ereignis, das aufgrund der niedrigen Wahrscheinlichkeit völlig unerwartet eintritt und die Menschheit erstaunt. Zuvor wurde das Ereignis bei jeder Art von Risikobewertung durch Politik und Öffentlichkeit nicht einkalkuliert. Laut Taleb werden diese Ereignisse erst im Nachhinein rationalisiert und spielen, obwohl sie sehr selten sind, tatsächlich eine weitaus größere Rolle in der Menschheitsgeschichte als angenommen.

Die im Stück SWANGATE dargestellte (scheinbare oder wirkliche) Übernahme der Performance durch eine KI kann als ein Black-Swan-Event bezeichnen werden.
SWANGATE zeigt, wie unsere Gesellschaft widerstandsfähiger gegen plötzliche und grundlegende Veränderungen werden kann, nicht indem sie diese missachtet, sondern indem sie das Ereignis mit neuen Visionen und Handlungen annimmt.

Mensch und Technik – eine besondere Verbindung!

SWANGATE verleiht dem Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters eine Neuartigkeit mit der Kombination aus augenzwinkerndem Gesellschaftskommentar und Guerilla-Theater-Show, klassischer Ballettinszenierung, einem suggestiven Bühnenkonzept und dem Einsatz modernster Technik wie Computer-Visionen, künstlicher Intelligenz und Robotik. Nicht nur durch seinen gesellschaftsaktuellen Inhalt, sondern auch durch die technischen und kompositorischen Werkzeuge, die während der Aufführung eingesetzt werden, versucht dieses Projekt die Grenzen des Genres auf innovative Weise herauszufordern.
Das Stück ist als Dreiakter realisiert. Es geht von einer beschwörenden Klangumgebung ausgeht, steigert sich zu einer Apotheose und gipfelt in ihren musikalischen und theatralischen Höhepunkt, in dem die Erwartungen an Wahrheit und Fiktion auf den Kopf gestellt werden. Die Verbindung zwischen Menschheit und Technik scheint untrennbar.

Künstler:innen:
COCAINE HIPPOS – Konzept, Komposition & Performance
Bernat Pont Anglada – COLIBRI
João Calado – FALCON
Severin Dornier – RAVEN
Mireia Pellisa Martin – PENGUIN
Karolina Jansova – LEMČÍK – Szenografie

Jury Begründung für den Köster-Preis 2023 – SWANGATE

Die Gruppe COCAINE HIPPOS laden uns mit SWANGATE zu einer „immersiven“ Erfahrung ein und das in einem wirklich umfassenden Sinne: Musik, Video-Kunst, Robotik, Künstliche Intelligenz und Performance, in die das Publikum mit eingebunden werden soll, versprechen ein fantasievolles, hochsinnliches und zeitgenössisches Musiktheater, das durch einen spannenden Überwältigungsfuror für die Neue Musik einnehmen will.
Die Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben oder die uns bald erwartet, wird uns in einer theatralisch-musikalischen Dystopie vor Augen geführt: Verschwörungstheorien, staatliche Überwachung, Wahrheit und Fiktion, Mensch und Technologie.
Die spielerische und humorvolle Konzeption hat die Jury vom ersten Moment an begeistert und auf vielen Ebenen angesprochen und wir sind sehr gespannt auf das Live-Erlebnis.

Das ist die Jury des Wettbewerbs.

Imitation Game

Imitation-Game Foto von Nicolae David

Konzert für Schlagzeuger und Perkussion-KI

DO| 18. Mai 2023
18.00 Uhr Konzert: Imitation Game
Weserburg Museum für moderne Kunst / Otte-Klanghaus

Am Donnerstag, 18. Mai, wird in der Weserburg Museum für Moderne Kunst das Stück der griechischen Komponistin Artemi-Maria Gioti während des realtime-festivals aufgeführt.
Das Stück setzt sich, passend zum Motto „Mensch-Musik-Maschine“ des Festivals, mit den aktuellen Tendenzen der Technik im Bereich der Neuen Musik auseinander.

Kann eine Künstliche Intelligenz (KI) Schlagzeug spielen?

Die Komponistin Artemi-Maria Gioti hat sich dieser Frage gestellt. Für ihr Werk Imitation Game entwickelte sie ein robotisiertes Schlagzeug, das KI-gesteuert mit einem menschlichen Schlagzeuger im Duett spielt. Da dieses Miteinander eine Art Improvisationsmusik ist, klingt dieses Zusammenspiel bei jeder Aufführung anders. Das KI-Schlagzeug reagiert auf die rhythmischen, klanglichen und dynamischen Vorgaben des Duettpartners ebenso wie der Schlagzeuger auf die Vorgaben des Roboter-Schlagzeugers. Das Publikum kann hören und beobachten, wie sich beide „Musiker“ gegenseitig befruchten.

Das Stück dauert etwa eine Viertelstunde und wird zweimal gespielt. Vor dem ersten und zweiten Kurzkonzert wird die künstlerische Leiterin des Festivals, Claudia Janet Birkholz, mit der Komponistin über die Besonderheiten des Stücks, die Variationen und die komplizierte Apparatur sprechen. Denn vorab bauten der Schlagzeuger und die Komponistin mehrere Tage lang beide Schlagzeuge auf und stimmten sie untereinander ab.
Nach dem Konzert beantwortet Artemi-Maria Gioti die Fragen des Publikums.

In Kooperation mit der Weserburg Museum für moderne Kunst Bremen

Künstler:innen.
Artemi-Maria Gioti – Komponistin
Manuel Alcaraz Clemente – Perkussion
Werk: Imitation Game (2018) von Artemi-Maria Gioti

Ticket: 15 € / ermäßigt: 12 € im VVK über Nordwest-Ticket sowie an der Abendkasse
(ermäßigt sind alle Menschen bis 30 Jahre, Auszubildende, Studierende, Rentner*innen, Erwerbslose und Schwerbeschädigte)

Hintergründe

Artemi-Maria Gioti

Artemi-Maria Gioti

Artemi-Maria Gioti ist eine Komponistin und Forscherin, die transdisziplinär zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie arbeitet. Ihre Forschungsinteressen umfassen Computational Intelligence, Musikrobotik, Sonifikation sowie kollaborative und partizipative Klangkunst.

Gioti wurde 1990 in Griechenland geboren, lebt und arbeitet in Graz, Österreich. Sie studierte Komposition an der Universität Mazedonien (Griechenland), Elektroakustische Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Komposition – Computermusik am Institut für elektronische Musik und Akustik (IEM) der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Derzeit promoviert sie an der gleichen Universität.
Ihre Kompositionen umfassen Werke für Soloinstrumente, Ensemble, Live- und interaktive Elektronik und wurden in Griechenland, Österreich, Portugal, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und in den USA aufgeführt.

Seit 2018 ist sie Principal Investigator des künstlerischen Forschungsprojekts Inter_agency, das am Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) in Graz angesiedelt ist und das Potenzial von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen für die elektro-instrumentale Komposition erforscht.
Sie ist Mitglied des elektronischen Duos intra-sonic (Artemi-Maria Gioti und Visda Goudarzi). Sie entwickelte und moderierte zusammen mit Kosmas Giannoutakis das CECIA-Projekt (Collaborative Electroacoustic Composition with Intelligent Agents), bei dem sie die Machine-Learning-Algorithmen in das Projekt implementierte.
Des Weiteren erhielt Artemi – Maria Gioti Für „Temperaturen“ 2016 den KlimARS-Preis sowie für „Imitation Game“ den Giga-Hertz-Produktionspreis des ZKM | Karlsruhe im Jahr 2019.

https://www.artemigioti.com/

Manuel Alcaraz Clemente

Clemente Foto von Contra-Vent-i-Fusta

Manuel Alcaraz Clemente ist ein spanischstämmiger Schlagwerker, der sich auf die Interpretation Neuer Musik spezialisiert hat. Aktiv ist er hauptsächlich als Solist, Kammermusiker, Ensembleschlagwerker und Pädagoge.

Er absolvierte das Bachelorstudium an der Musikhochschule ESMuC in Barcelona, ein künstlerisches Masterstudium an der Musikhochschule ESMAE in Porto und ist Absolvent des Masterstudiengangs Performance Practice in Contemporary Music der Kunstuniversität Graz unter der Leitung des Klangforum Wien.
Seit 2016 ist Manuel Alcaraz Clemente Mitglied des Ensembles Schallfeld in Graz (AT) sowie des Duos Noviga Projekto (PT/AT). Er spielte außerdem mit Neue Musik Ensembles und Orchestern wie dem Klangforum Wien, den Lucerne Festival Alumni, dem Ensemble PHACE und dem Recreation Orchester Graz sowie bei Lucerne Festival, Wien Modern, den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt, dem Festival Klangspuren Schwaz (Tirol), Afekt Festival (Estland), dem Impuls Festival und Steirischen Herbst (Graz) und dem Huddersfield Contemporary Music Festival.

Manuel Alcaraz Clemente gibt Meisterkurse und Workshops an verschiedenen Universitäten und Musikschulen in Österreich, Portugal, Spanien und Slowenien.

https://manuelalcarazclemente.com/

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